Team Konflikte

Die Arbeit blockierende Teamkonflikte entstehen zumeist, wenn menschliche Verletzungen so gross werden, dass die Sachebene in den Hintergrund tritt bzw. Vorschläge und Entscheidungen zu allererst aus einem persönlichen Blickwinkel beurteilt werden.

Oberflächlich geht es dann zwar immer noch um Sachentscheidungen, über die sich Einzelne oder ver­schiedene Lager streiten, in der Tiefe aber werden die Auseinandersetzungen mit einer Bitterkeit geführt, als gehe es um Leben und Tod. Der Ton bekommt dann eine „wenn nicht, dann“ Färbung und Grautöne verschwinden. Es kann keine Kompromisse mehr geben: entweder es läuft, wie ich es will oder ich gehe und hinterlasse verbrannte Erde.

In nahezu allen Teams bilden sich bei einer solchen Entwicklung unversöhnlich gegenüberstehende Gruppen und die, die sich raushalten wollen, werden häufig als Feiglinge diffamiert.

Spätestens jetzt braucht es ein Team-Coaching unter externer Leitung.

Das erste Ziel ist dabei, die Sachebene wieder frei von aufgeheizten Emotionen zu bekommen. Da eine Gefühls­ladung aber nicht einfach so verschwindet, braucht es einen Rahmen, in dem die Verletzungen, die Wut und Enttäuschungen ausgesprochen werden können. Dabei geht es jedoch nie um die Frage von Schuld, von richtig oder falsch und von Tätern und Opfern, sondern einzig darum bei allen Teammitgliedern ein mitfühlendes Ver­stehen zu erzeugen. Das ist selbst dann möglich, wenn eine Person für die Handlungen einer anderen keinerlei Toleranz hat. Es geht nämlich nicht um Entgegenkommen, sondern um das Wiederherstellen von Respekt.

Ist der emotionale Druck aus dem Team heraus, steht an nächster Stelle den Konflikt systemtheoretisch transparent zu machen. Das heisst herauszufinden, warum sich wer mit wem verbündete und warum genau in dieser Konstellation der Konflikt eskalierte. Auch hier geht es noch nicht um Veränderung, sondern nur um Verständnis.

Im dritten und im letzten Schritt kann dann auf der Ebene des bisherigen Verstehens und Erkennens in den meisten Fällen eine konstruktive Lösung gefunden werden.

Wer auf andere nicht mehr angewiesen zu sein glaubt, wird unerträglich.

Luc de Clapiers